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Gesprächsreihe Lebenspfad

Lebenspfad

Der Lebenspfad - so könnte der Beitrag der christlichen Kirchen auf der IGS im Jahr 2013 aussehen.

Dieser Text schildert Eindrücke und Gedanken aus der Perspektive einer möglichen Besucherin.

Ich sitze an der „Oase der Religionen“, eine Quelle mit sprudelndem Wasser. Das Quellwasser fließt in fünf kleinen Bächen auseinander. Ich entscheide mich, den Lebenspfad zu gehen. Zwei Steinsäulen markieren den Beginn des Weges. Auf der einen steht: Du zeigst mir den Pfad zum Leben. (Ps 16,11). Auf der zweiten steht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Joh 10,10).

Geburt und Taufe
Ich habe dich beim Namen gerufen, mein bist du. (Jes 43,1) Neben mir verläuft ein kleiner Fluss. Er wird mich den ganzen Pfad begleiten und mir zeigen, wo mein Weg entlangführt. Ich schreite ich durch einen Wasserbogen. Drei Wasserbögen laufen parallel übereinander. Wie funktioniert das? Ich schaue durch die Wasserbögen nach oben in den Himmel und werde nicht nass. Die Gänseblümchen auf der Wiese erinnern mich an Blumenkränze, die ich als Kind versucht habe zu flechten. In Wasserbecken schwimmen weiße Seerosen. Gab es nicht eine Geschichte, in der kleine Kinder in Seerosenblüten lebten? Auf einem Tisch liegt eine große Buchrolle. Links ist sie schon ein gutes Stück aufgerollt, aber der rechte Teil zeigt mir, dass noch viel Platz ist. Ich schreibe meinen Namen auf das Papier in der Mitte (nur den Vornamen) und überfliege die anderen Namen. Da ist mein Name noch einmal! Und gleich zweimal ein Name, den ich schon lange nicht mehr gehört habe. Am Ende des Tages wird mein Name wahrscheinlich auch links aufgerollt sein, zwischen vielen anderen Namen. Was passiert wohl mit der Namensrolle? Ich denke noch einmal über den Text auf der Steinsäule nach. Wie war mein Taufspruch? Ich werde zuhause einmal nachsehen. Wo habe ich nur die Taufurkunde? Steht da überhaupt mein Taufspruch drauf? Ich gehe weiter. Der Weg wird schattiger und führt mich unter Bäume.

Konfirmation / Firmung
Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern. (Ps 18,30) Ja, das habe ich auch einmal geglaubt, denke ich, als ich den Text auf der Steinsäule lese. Worum es hier wohl geht? Ich schaue mich um. Dort, vor mir auf dem Weg ist eine Wasserfläche. Es sieht aus, als würden die Leute auf dem Wasser wandeln. Als ich näher komme, sehe ich, dass die Menschen über Trittsteine gehen, die knapp unter der Oberfläche liegen. Ich habe geschlossene Schuhe an, gehe vorsichtig über die Trittsteine und passe auf, dass ich nicht allzu nass werde. Der Weg wird unterbrochen von einer Kletterwand. Mit einer sanften Schräge führt sie hoch. Ich kann nicht sehen, was dahinter ist. Jugendliche klettern vorne hoch. Sie helfen sich gegenseitig. Ich höre, wie sie auf der anderen Seite herunterspringen – oder hinunterrutschen? Als ich näher komme, sehe ich, dass die Wand beschrieben ist. Mit Kreide. Ich lese mir durch, was dort steht. Einzelne Wörter, manchmal auch Sätze: „Abitur“, „Der Auszug von Zuhause“. Es sind wohl Hürden oder Hindernisse, die im Leben überwunden werden müssen. Ich nehme mir ein Stück Kreide und schreibe auch ein Wort dazu. Dabei muss ich aufpassen, dass ich keinem der Kletterer in die Quere komme. Ich selber gehe nicht über die Kletterwand, sondern nutze den Weg daneben. Aber es ist gut zu wissen, dass andere für mich mein Hindernis nehmen. Ich rieche Maiglöckchen. Als ich konfirmiert wurde, war es noch so kalt, dass es keine Maiglöckchen gab. Jetzt scheint es sie zu jeder Jahreszeit zu geben. Der Weg ist gesäumt von feuerfarbenen roten Blumen. Dieses Feuer hätte ich auch mal gerne wieder. Ich gehe weiter.


Mahl
Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! (1. Kor 11, 23b-25) Als ich die Inschrift auf der Steintafel lese, denke ich: Nie würden mir diese Worte von selbst einfallen. Aber wenn ich nur die ersten Worte höre oder lese, weiß ich, wie es weitergeht. Ein kleiner Platz, der von Weinstöcken eingerahmt ist. Der Wind streicht über ein kleines Getreidefeld. Weizen? Oder doch Gerste? Woran konnte man noch einmal den Unterschied erkennen? In der Mitte des Platzes steht ein langer Tisch, eine Tafel. Wo sind die Stühle? Einige Menschen stehen um den Tisch. Sie unterhalten sich und trinken Wasser. Der Kelch und die Schale in der Mitte des Tisches bleiben unberührt. Schade, denke ich. Aber es gibt einen großen Korb mit kleinen Weißbrotstückchen. Die dürfen offenbar alle essen. Ich nehme mir ein Stück und bekomme auch ein Glas Wasser gereicht. Das tut jetzt gut! Mein Blick wandert über den Tisch. Einige Worte sind darin eingraviert. Ich gehe einmal herum, nicke den Menschen zu und lese den Text. Auf Zetteln liegt der Text des Vaterunsers. Warum braucht man den denn, denke ich. Aber dann sehe ich, dass das Vaterunser in vielen, vielen Sprachen abgedruckt ist. Ich schaue mich vorsichtig um, ob jemand wohl betet. Ich schaue still für mich auf das Blatt und tue so, als ob ich lesen würde. Mit einem Lächeln gebe ich das leere Glas und den Zettel zurück. Ich gehe weiter.

Trauung
Für jetzt bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. (1. Kor 13,13) Ja, den Spruch kenne ich. Ich habe ihn auf einigen Hochzeiten gehört. Einige der Paare sind nicht mehr zusammen. Der Weg führt mich in einen von Hecken umstandenen Platz. Ein Irrgarten? Ich gehe durch einen Rosenbogen und erwarte, dass mir gleich jemand Blumen über den Kopf streut. Es ist hübsch hier. Der Weg führt in einem Kreis um einen steinernen Brunnen herum. Soll ich zuerst einmal um den Brunnen herumgehen? Ich beschließe, zuerst in die Mitte zu gehen. Dort stehen gerade auch nur wenige Menschen. Vier Wege führen zum Brunnen und teilen die Beete um den Brunnen in Viertel. In einem Viertel wachsen Rosen, in einem anderen blaue Disteln, im dritten liegen Früchte, im vierten Scherben in allen Farben. Was das wohl zu bedeuten hat? Ich beuge mich über den Brunnenrand. Er ist gar nicht so tief, wie ich gedacht hatte. Auf Bodenhöhe steht eine große Schale. Darin kann ich die drei Wörter Glaube, Liebe und Hoffnung lesen. Ich finde in meiner Hosentasche eine Münze und werfe sie in den Brunnen. Schaden kann es ja nicht… Ich nehme den Weg zwischen Scherben und Früchten zurück und komme an eine „Knutschbank“. Die kenne ich auch schon aus dem Stadtpark. Da kann man sich gemütlich zu zweit reinsetzen und sich küssen, ohne dass man sich den Hals verrenkt. (Hoffentlich setzt sich keiner zu mir, wo ich doch alleine bin!) Neben meiner Bank stehen Glassäulen. Sie sind gefüllt mit Scherben und mit Disteln. Mein Blick fällt auf einen Baum, an dessen unteren Zweigen kleine bunte Zettel baumeln und im Wind wehen. Ich stehe auf und gehe zum Baum. „Traubaum“ steht an einem kleinen Schild. Soll ich jetzt darunter heiraten? Gab es hier nicht auch irgendwo auf dem Gelände Hochzeitseichen? Dann fasse ich eines der kleinen Zettelchen und lese ihn mir durch. Trausprüche! Wie hübsch. Und man darf einen mitnehmen. Ich schließe die Augen und reiße einen ab. Das wird mein Trauspruch sein, falls ich mal heiraten sollte. Und was ist das? Eine Nische mit kleinen Fächern. „Geben-und-Nehmen-Kabinett“ steht an der Wand. Ich sehe, wie sich jemand etwas herausnimmt und in das Fach etwas hineinlegt. Ein Buch. Schade, ich habe nichts Passendes dabei. Ich gehe weiter.

Tod und Auferstehung
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Joh 11,25) Ich muss einen Weg queren und bin kurz unsicher, ob ich noch richtig bin. Der kleine Fluss hat mich verlassen. Wahrscheinlich wird er unter dem Weg weitergeführt? Ich sehe, dass der Pfad gegenüber weitergeht. Ich lese den Text auf der Steinsäule. Ganz schön gewichtig. Was jetzt wohl auf mich zukommt? Erst einmal kommt gar nicht auf mich zu, sondern es geht nach unten. Der Weg führt nach unten. Den kleinen Abhang säumen dunkle Pflanzen, fast schwarz. Möchte ich hinuntergehen? Ich kann nicht sehen, wie der Weg hinaufführt, denn eine Wand aus feinem Nebel erlaubt mir keine Sicht. Ich warte ein bisschen und lasse zuerst die anderen Menschen an mir vorbeiziehen. Ich höre Lachen hinter der Nebelwand und beschließe, auch den Weg nach unten zu gehen. Feine Wassertropfen umhüllen mich kurz. Ein Schauer überfällt mich, dann ist es schon vorbei. Der Weg führt wieder nach oben. Blumen in allen Farben wachsen an dem Abhang. Ich gehe den Weg weiter. Oben wieder angekommen, drehe ich mich noch einmal um. Vor der Nebelwand spannt sich ein Regenbogen. Von hier aus sieht alles gar nicht so schlimm aus. Ein kleiner Tisch mit Stiften und Zetteln und eine Gebetswand. Muss ich etwas schreiben? Ich schaue noch einmal auf den Regenbogen. Dann weiß ich, was ich schreiben will. Ich rolle meinen Zettel zusammen und schiebe das Röllchen in ein Loch in der Mauer. Jetzt kann es nicht mehr weit sein bis zum Ende des Pfades.


Salbung und Segen
Ich will dich segnen, du sollst ein Segen sein. (Gen 12,2) Das ist ein schönes Bibelwort zum Abschluss! Der Weg endet unter einem kleinen Zelt. Es riecht ganz wunderbar hier. Nach Kräutern. In einer Ecke stapeln sich Wasserflaschen. Ich sehe, dass jeder eine Flasche in die Hand gedrückt bekommt. Manche öffnen die Flasche sofort und trinken einen Schluck. Andere lesen das Etikett und packen dann die Flasche in ihren Rucksack. Hier gibt es Hocker. Ich setzte mich erst einmal hin und trinke einen Schluck aus der Flasche, die ich von jemandem bekommen habe. Eine Frau kommt auf mich zu und fragt, ob sie mich salben darf. Ich weiß nicht, wie das geht. Sie erklärt es mir und öffnet einen kleinen Topf aus dem es duftet. Ich lasse die Zeremonie über mich übergehen und finde es gar nicht so schlimm. Jemand anderes trägt einen Korb mit kleinen Bändern. Er bindet mir eines um mein Handgelenk. Es ist ganz hübsch. Ich lese den Spruch darauf. Es ist der gleiche wie auf der Steinsäule. Ich bleibe noch etwas hier sitzen und schaue den anderen zu. Es ist gut. Vielleicht gehe ich den Lebenspfad noch einmal und nehme mir mehr Zeit. Und für das Geben-und-Nehmen-Kabinett habe ich dann auch etwas dabei.

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